Wirtschaftsaufschwung bremst sich selbst

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Noch im Juni 2021 rechnete die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) aufgrund der Rücknahme der Corona-Maßnahmen und des Impffortschritts heuer und im kommenden Jahr mit einem kräftigen Wirtschaftsaufschwung. Nach einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Österreich um 6,7 Prozent im Jahr 2020 prognostizierte die Nationalbank für 2021 und 2022 ein Wachstum von 3,9 Prozent bzw. 4,2 Prozent, im Vergleich zur letzten Konjunkturschätzung vom Dezember 2020 (BIP-Plus in Österreich von 3,6 Prozent für 2021 und 4 Prozent für 2022) hob die OeNB ihre Prognose leicht an.

Allerdings war schon im Juni klar, dass die Inflation ein Sorgenkind ist, welches genau beobachtet werden muss. Hieß es noch im Juni 2021: „Wenn die Inflationsrate über 3 Prozent steigt, dann sei wohl zu „ein Überdenken der Strategie“ der Europäischen Zentralbank (EZB) erforderlich“ und wurde damals von der EZB die Umsetzung des vertraglich vorgegebenen Ziels der Preisniveaustabilität als eine Inflationsrate auf mittlere Sicht von unter, aber nahe an 2 Prozent pro Jahr definiert, erhöhten die Währungshüter bereits Anfang Juli 2021 die angestrebte jährliche Teuerungsrate im Euro-Raum auf 2 Prozent.

Tatsächlich belief sich in nachfolgend genannten Monaten die Inflation in Österreich gegenüber dem Vorjahresmonat auf:

  • August 2020: 1,4%
  • September 2020: 1,4%
  • Oktober 2020: 1,3%
  • November 2020: 1,3%
  • Dezember 2020: 1,2%
  • Jänner 2021: 0,8%
  • Februar 2021: 1,2%
  • März 2021: 2%
  • April 2021: 1,9%
  • Mai 2021: 2,8%
  • Juni 2021: 2,8%
  • Juli 2021: 2,9%
  • August 2021: 3,1%

Nach dem coronabedingten Einbruch erholt sich die Weltwirtschaft so schnell und kräftig, dass die Produktion nicht nachkommt, die Lagerbestände aufgebraucht werden und Lieferengpässe entstehen. Das führt lt. Analyse der WIFO zu beträchtlichen Preissteigerungen, die den Wirtschaftsaufschwung bremsen.

Im aktuellen Konjunkturbericht der WIFO wird unter anderem Folgendes ausgeführt:

    • In Österreich war das Wirtschaftswachstum im II. Quartal 2021 (+3,6% gegenüber dem Vorquartal) deutlich höher als im Durchschnitt des Euro-Raumes (+2,2%), vor allem aufgrund der schwungvollen Dynamik im Gastgewerbe. Im Laufe des Sommers hat das BIP bereits das Vorkrisenniveau überschritten. Sowohl die Arbeitslosigkeit als auch die Langzeitbeschäftigungslosigkeit tendierten zuletzt abwärts.
    • Lagerbestände werden weltweit zurzeit beträchtlich reduziert. Üblicherweise folgt einem Lagerabbau ein Konjunkturabschwung. Diesmal ist er jedoch Ausdruck des äußerst kräftigen Aufschwungs, der die Weltwirtschaft seit dem Frühjahr 2021 erfasst hat. Vor allem die Plötzlichkeit und die Stärke des Aufschwungs haben den markanten Lagerabbau zur Folge.
    • Für die meisten Marktteilnehmer trat die Erholung unerwartet früh ein, da die Saisonalität des SARS-CoV-2-Virus unterschätzt wurde. Sie verlief bisher auch äußerst kräftig, da die Lockdowns die Kaufkraft der privaten Haushalte sowie die Produktionskapazitäten der Unternehmen nicht in dem Ausmaß reduziert hatten wie „herkömmliche“ Konjunkturabschwünge und weil zudem großzügige wirtschaftspolitische Maßnahmen gesetzt worden waren.
    • Die sich nun ergebenden Lieferengpässe und Preissteigerungen sind erheblich. So gaben zuletzt rund 32% der heimischen Industriebetriebe Materialmangel als wichtigstes Produktionshindernis an, während der langjährige Durchschnitt 7,5% beträgt und selbst in normalen Aufschwüngen nie mehr als 15% unter akutem Materialmangel leiden. Gleichzeitig haben sich die Preise für Industrierohstoffe von April 2020 bis Mai 2021 auf Dollarbasis mehr als verdoppelt, obwohl sie in den Krisenmonaten davor, von Jänner 2020 bis April 2020, um nur 14% gesunken waren.
    • Diese Situation führt dazu, dass knapp die Hälfte der heimischen Industriebetriebe die Verkaufspreise demnächst anheben will, während dies im Durchschnitt der letzten 15 Jahre jeweils nur 7,2% planten. Die Lieferengpässe führen aber nicht nur zu Preissteigerungen, sondern auch zu Rationierung. So steigen in der Kfz-Branche trotz eines Nachfragebooms die Anmeldungen zur Kurzarbeit aufgrund des erheblichen Mangels an Halbleitern (Mikrochips).
    • Dementsprechend sind die meisten Unternehmen zwar grundsätzlich optimistisch in Bezug auf ihre aktuelle Geschäftslage, allerdings bremste sich die Zuversicht im Sommer etwas ein, was die Unternehmensbefragungen für Österreich als auch für den übrigen Euro-Raum zeigen. In Österreich dämpfte sich die Stimmung insbesondere in den krisengeschüttelten Dienstleistungsbranchen, was darauf hindeutet, dass im Herbst wieder mit Beeinträchtigungen der Geschäftstätigkeit gerechnet wird.
    • Derzeit herrscht aber noch ein äußerst kräftiger Aufschwung. Im II. Quartal 2021 (April bis Juni) wuchs die Wirtschaftsleistung in Österreich um 3,6% gegenüber dem Vorquartal und damit im Ländervergleich (Euro-Raum +2,2%) besonders rasch. Dies ist vor allem den Wertschöpfungsgewinnen im Gastgewerbe zuzuschreiben, die mehr als die Hälfte des Quartalswachstums ausmachten. Im Juli 2021 wurde bereits das BIP-Niveau vor Ausbruch der COVID-19-Krise überschritten und Mitte August 2021 lag es bereits um 1,5% darüber.
    • Als Folge des Nachfragebooms und der Angebotsknappheiten stieg die Verbraucherpreisinflation in Österreich laut Schnellschätzung von Statistik Austria zuletzt auf über 3%.

Wie weit diese Prognosen eintreten, mag dahingestellt bleiben, ernst zu nehmen sind sie allemal.

Gerade das erfordert jedoch eine rasche Reaktion und/oder Vorbereitung auf Preisdruck und Lieferprobleme sowie die prognostizierten Veränderungen durch Treffen notwendiger oder zweckmäßiger Maßnahmen. Für diese gibt es keine Patentrezepte, abzustellen ist auf die konkreten unternehmensbezogenen Umstände, Risiken und Chancen.

Ich unterstütze Unternehmen bei der Erkennung und Analyse der damit verbundenen Risiken sowie der Planung und Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen. Zögern Sie nicht und vereinbaren Sie mit mir einen Termin für ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch (Dauer bis 30 Minuten)

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Dr. Albin Walchshofer

Unternehmensberater, Risikomanager, Risikomanagement